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Bahnhofsviertel. Eine strikte Trennung zwischen privat und geschäftlich gibt es für Wolfgang Lenz und Oskar Mahler nicht. Der Schuhmachermeister und Ex-Ortsbeirat aus dem Nordend und der Stadtteilbildhauer und Museumsbetreiber verbinden beides, knüpfen und pflegen so viele Kontakte, strecken ihre Fühler aus, und haben dabei doch stets das Wohl des Bahnhofsviertels und seiner Bewohner im Sinn. Ihr jüngster Coup: Am 20. März gründet sich auf ihre Initiative die Interessengemeinschaft (IG) „Treffpunkt Bahnhofsviertel“ in Lenz’ Schuhmacherei in der Münchener Straße 36. Der Zusammenschluss soll der Förderung von Gewerbe, Kultur, Handel und privatem Grundbesitz dienen – was nichts anderes heißt, als dass die beiden umtriebigen Köpfe das Viertel aufwerten, attraktiver machen und das Image verbessern wollen. Das ist nach Ansicht der beiden nur mit gemeinsamen Anstrengungen möglich. Und daran habe es zuletzt eben gekrankt. Lenz und Mahler vermissen im Bahnhofsviertel nämlich eine einheitliche Politik und Strategie der Einzelhändler. „Es gibt hier viel zu viele Einzelkämpfer, die nur auf sich selbst schauen“, betont Lenz, dessen Schumacherei kürzlich 65-jähriges Bestehen feierte. Die Stimmen der Gewerbetreibenden sollen deshalb in der IG gebündelt werden, um ein stärkeres Gewicht und damit eine bessere Ausgangsbasis bei Verhandlungen mit der Stadt zu erhalten. Denn Mahler will aus den diversen Fördertöpfen noch mehr Geld für das Bahnhofsviertel herausholen. Im Unterschied zu vergleichbaren Zusammenschlussen in anderen Stadtteilen will der „Treffpunkt Bahnhofsviertel“ verstärkt die privaten Hausbesitzer erreichen. „Die besitzen eine nicht unerheblich Fläche im Quartier, doch das Stadtplanungsamt kommt nicht so richtig an sie ran. Außerdem kennen sie sich untereinander, haben Kontakte zu einflussreichen Leuten, wovon wir wiederum profitieren können“, erklärt Mahler. Ein weiterer Vorteil ist laut Lenz, dass die IG auch Einfluss auf die Ladenbelegung nehmen könnte. Hausbesitzer hätten natürlich in erster Linie kommerzielle Interessen. „Wird ein Laden frei, soll er so schnell wie möglich wieder belegt sein. Das Angebot ist dabei zweitrangig. Hier setzt die IG an. Wir wissen, was das Viertel braucht und können mit den Hausbesitzern über die Auswahl der Geschäfte sprechen.“ Im Augenblick gebe es gemeinsam mit Franz Schmidt von der Wirtschaftsförderung Anstrengungen, ein Fahrradgeschäft im Quartier anzusiedeln. Gleich neben |
Lenz’ Laden, wo bis vor kurzem Elektro Diehl zu finden war, stehen Geschäftsräume zur Verfügung. Wünschen würden man sich auch einen Schneider, noch anderes Handwerk mehr oder aber zur kulturellen Bereicherung ein anspruchsvolles Cabaret wie es einst das Imperial war. Und auch im Eckhaus an der Münchener Straße/Moselstraße ist nach abgeschlossener Renovierung wieder Platz. Dort soll ein Café einziehen. Übrigens: Wer zur Gründungsversammlung von „Treffpunkt Bahnhofsviertel“ kommt, hat die Gelegenheit, das renovierte Eckhaus zu besichtigen, Architekt Eckhart von Schwanenflug führt durch das Gebäude. Außerdem sprechen Dierk Hausmann vom Stadtplanungsamt, und Mahler schaltet die neue Website übers Bahnhofsviertel frei. Er hat seine Vorgängerplattform überarbeitet und um Infos über die IG ergänzt. Natürlich wird hier der Vorstand vorgestellt. Wie er sich zusammensetzt, ist noch nicht klar. Dabei ist neben Lenz und Mahler bislang Marcus Grothe von JuraXX. Um als Verein eingetragen werden zu können, sind allerdings sieben Mitglieder Vorschrift. Es fehlen also noch Mitstreiter. „Wir sind mit vielen im Gespräch, bis 20. März sind sieben zusammen“, ist Lenz optimistisch. Als Konkurrenz zu den schon erfolgreich arbeitenden Förderkreis Bahnhofs-/Gutleutviertel und Werkstatt Bahnhofsviertel sehen beide die IG nicht. Im Gegenteil: Sie alle verfolgten im Grunde ähnliche Ziele, seien aber anders organisiert. Während der Förderkreis ein gemeinnütziger Verein sei, der soziale und caritative Zwecke verfolge, sei die IG eben ein kommerziell ausgerichteter Zusammenschluss. Und der will künftig auch mit verschiedenen Aktionen die Werbetrommel rühren. Mahler würde seinem Ruf als Macher nicht gerecht, hätte er nicht schon zündende Ideen parat. „Das Bahnhofsviertel ist voll der Hammer!“ ist ein Vorschlag. Dafür sollen 100 Hämmer im Viertel verteilt werden, die gefunden werden müssen. Für die Gewinner soll es attraktive Preise geben. Auch ein Bonusheft ist geplant. Wer in der IG angeschlossenen Läden einkauft, erhält Wertmarken, so genannte „Treue-Hämmer“, die in ein Bonusheft eingeklebt werden. Ist es voll, gibt es eine Belohnung. Allerdings keinen Rabatt, Mahler denkt an Eintrittskarten für English Theater oder den Zoo. „Das soll die Stadt beleben.“ Die Gründung der Interessengemeinschaft „Treffpunkt Bahnhofsviertel“ ist am Dienstag, 20. März, von 16 bis 18 Uhr in der Schuhmacherei Lenz, Münchener Straße 36. |
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Seit 65 Jahren besteht die Schuhmacherei Lenz in der Münchener Straße 36. Krieg und Wirtschaftswunder, Flauten und Aufschwünge hat das Geschäft überstanden. Heute steht Inhaber Wolfgang Lenz (64) vor der größten Herausforderung: Um als Handwerker weiterhin gegen die Massenfertigung bestehen zu können, muss er seinem Betrieb ein klares Image verpassen. „Noch vor meinem Ruhestand möchte ich Zeichen für das Handwerk setzen.“ Die ersten Schritte dazu sind bereits getan: Mit dem Hammermuseum (wir berichteten) hat der Meister vergangenes Jahr im oberen Stockwerk seines Landens Platz für den Künstler Oskar Mahler gemacht, der sich selbst „Stadtteilbildhauer“ getauft hat. Dieser hat nicht lange gefackelt und zunächst das komplette Ladenbild einem Lifting unterzogen. „Regale, Drehgestelle – alles war komplett zugestellt. Als erstes haben wir für Luft gesorgt“, so Mahler. Zur Luminale hat er das große Firmenschild der Schuhmacherei, das jahrzehntelang vor dem Schaufenster hing, entfernen lassen. „Manchmal ist man so an das Bild seines Geschäftes gewöhnt, dass man nicht von selbst auf die Idee solcher Verbesserungen kommt“, so Lenz. Die Arbeit der beiden zeigt dabei Wirkung nach außen: Seit das Museum vor knapp einem Jahr eröffnet wurde, hat es mehr als 2000 kunstinteressierte Besucher ins Bahnhofsviertel gelockt – mehr Menschen, als dort leben. Und in Verbindung mit dem neuen Ladenbild hat Lenz im vergangenen Jahr seinen Umsatz um satte zwölf Prozent steigern können. Damit hat sich in dem Meisterbetrieb eine fruchtbare Zusammenarbeit zwischen Kunst und Handwerk entwickelt, die sich laut Mahler nicht nur im unmittelbaren Gewinn niederschlagen soll. Modellhaft will er im Laden von Lenz herausarbeiten, was er unter Handwerk versteht: „Unsere Gesellschaft kann auf eine meisterliche Haltung und handwerkliches Denken nicht verzichten.“ Damit meint er das Bemühen um ein tiefes Verständnis im Gegensatz zu schnellen Lösungen. |
„Dazu gehört beispielsweise stolz zu sein auf die Dinge, die man produziert hat – die eigene Handwerksarbeit als Selbstausdruck der Person.“ Mit diesen Ansichten steht der zum Berater avancierte Künstler nicht alleine. Für die Schuhmacher-Innung, die in der Schuhmacherei Lenz einen Ausbildungsort hat, entwickelte er ein Konzept für die Meisterausbildung. Seit September hält er in den Räumen der Schuhmacherei für den neuen Lehrgang Vorträge zu Thema „Meisterschaft“. „Knapp gesagt geht es mir darum, menschliche und handwerkliche Werte aus dem 19. Jahrhundert ins 21. zu verpflanzen.“ Etwas um seiner selbst Willen gut zu machen und dadurch Befriedigung durch die eigene Arbeit zu erfahren sei die grundlegende Idee. „Natürlich ist das ein Privileg in der heutigen Arbeitsgesellschaft, das die angehenden Meister haben.“ Seit 1941 ist die Schuhmacherei im Besitz der Familie Lenz. In den 1970ern hat Wolfgang Lenz sie übernommen, betrieb über Jahre noch ein zweites Geschäft im Nordend. Das ist inzwischen verkauft. Während seiner Zeit im Bahnhofsviertel habe er die strukturellen Veränderungen des Stadtteils genau beobachten können. „Früher haben die Menschen hier gewohnt, heute arbeiten sie nur noch hier.“ Um den Stadtteil zu gestalten, engagiert sich der Schuster außerdem im Förderverein Bahnhofs- und Gutleutviertel. „Als Handwerker habe ich nicht nur die Verantwortung für meinen Betrieb sondern auch für das Umfeld, in dem ich mich befinde.“ Die Jubiläumsfeier beginnt heute um 15 Uhr im Geschäft in der Münchener Strasse 36 mit dem Anschnitt des Jubiläumskuchens. Anschließend wird Oscar Mahler einen Vortrag über „Handwerkliches Denken als Möglichkeit zur Revitalisierung der Innenstädte“ halten. Infos unter: http://www.vollderhammer.de |
| Er beherrscht als Schuhmacher eine anspruchsvolle Handwerkskunst und ist derzeit auf der Suche nach einem ebenso ambitionierten, allerdings eher schöngeistigen Künstler. Die Rede ist von Wolfgang Lenz, der einen Schuhladen im Bahnhofsviertel betreibt. Um das Quartier weiter zu beleben, hat sich Lenz dazu entschlossen, einen Teil seines Ladenlokals in der Münchener Straße einem Künstler zur Verfügung zu stellen. Dort könnte auf der geräumigen Empore etwa ein Maler sein Atelier einrichten, Gespräche mit Besuchern führen oder sich einfach bei der Arbeit zusehen lassen, so Lenz. |
Sein Engagement kommt nicht von ungefähr: Lenz, der Mitglied der CDU-Fraktion im Ortsbeirat 3 (Nordend) ist, engagiert sich im Förderverein Bahnhofs- und Gutleutviertel, der sich für einen lebendigen Stadtteil einsetzt. Lenz nannte seine Idee ein Beispiel dafür, wie die Bestrebungen der Stadt unterstützt werden könnten, das schwierige Quartier attraktiver zu gestalten. Jetzt fehlt nur noch der kunstschaffende Gast wer interessiert ist, soll einfach die Schuhmacherwerkstatt in der Münchener Straße 36 aufsuchen (beg.) |